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Die Preisentwicklung auf dem Gebrauchtmarkt bei klassischer analoger Fototechnik

Abermillionen alter Kameras liegen - oft seit Jahrzehnten - verborgen in Schubladen oder verstauben in Vitrinen oder Umzugskartons, lange vergessen auf dem Dachboden.

Wer diese "Schätze" heute hebt, hofft beim Verkauf auf "Werte", die sich über die langen Jahre wundersam vermehrten. Doch warum sollten alte Fotokameras mit der Zeit immer wertvoller geworden sein, und nicht auch der alte Toaster oder der Staubsauger aus jener Zeit? Nun, zumindest wurden mit Fotoapparaten bestenfalls die wichtigen Zeitzeugnisse erschaffen, die - in Fotoalben oder Diakästen verewigt - zumeist wertvolle Erinnerungen noch über Generationen bereit halten.

Die Beziehung zu (s)einer Kamera war und bleibt für den Fotografen schon immer anders als zu einem Toaster oder Staubsauger. Obwohl auch  "nur" ein Werkzeug, bewahrte die Kamera doch die emotionalen Schätze des Augenblicks, die bleibenden Werte des Rückblicks und der bildhaften Erinnerung.

Doch Werkzeuge altern, verschleißen, Öle verharzen, Materialien werden spröde und brüchig. Und auch die Entwicklung schreitet voran. Neue Techniken, Möglichkeiten und Verfahren verbessern die Leistung, oftmals zu einem günstigeren Preis. Und doch wird es immer auch "die guten alten Dinge" geben, die hochwertigen und außergewöhnlichen Produkte, die gut funktionieren, lange halten und sich reparieren lassen. Das sind dann die Artikel aus dem Manufactum-Katalog. Mit dem Unterschied, dass diese "Klassiker" immer noch oder als Neuauflage wieder produziert werden.

Bei Kameras hat es jedoch kein einziges klassisches Modell in den Manufactum-Katalog geschafft. Sie werden längst nicht mehr produziert, analoge Kameras haben sich überlebt und verschwanden nicht ohne Grund in den Schubladen.

Natürlich hinkt dieser Vergleich, noch immer gibt es auch für alte Sachen Interesse, ebay und jeder Flohmarkt sind voll von Angeboten. Aber meist ist die Nachfrage eher bescheiden, entsprechend niedrig fallen die Preise aus.

Auch wenn es seit ein paar Jahren wieder einen Trend zur analogen Fotografie gibt, im Wesentlichen werden hierfür möglichst günstige Schnäppchen gesucht und gefunden.

Wie aus dem Diagramm erkennbar wird, ist dieser Trend zur analogen Fotografie auf niedrigem Niveau. Das Angebot an noch existierenden oder auch verfügbaren Kameras übersteigt die Nachfrage grundsätzlich bei Weitem.

Und so haben die allermeisten dieser unzähligen "Dachbodenfunde", die jetzt zum Verkauf angeboten werden, ihren "Wert" längst hinter sich. Übrig geblieben sind die Verklärungen der guten alten Zeit, die schönen Erinnerungen und die Momente, die diese Kameras begleiteten: Urlaube, Hochzeiten, Kinder und Enkel, Konfirmationen, Einschulungen, Hobbys, immer war die Kamera dabei. Doch wenn uns eine Kamera heute zum Ankauf angeboten wird, preisen wir diese Emotionen nicht in den Ankaufspreis mit ein. Und das ist sicher auch der größte "Denkfehler" beim Verkauf einer alten Kamera. 

Viele Kunden sagen "Zu schade zum Wegwerfen", wenn sie selbst bereits wissen, dass kein nennenswerter Preis mehr zu erzielen sein wird. Der emotionale Bezug zu ihrer alten Kamera ist groß und im wahrsten Sinn des Wortes unbezahlbar.

Doch es gibt immer Ausnahmen, die besonderen Stücke, die Raritäten mit eigenem Wert, Tradition, Geschichte und Charakter

Wie auch bei historischen Fahrzeugen, den Oldtimern, gibt es in der Fotobranche die herausragenden Meilensteine in der Fotogeschichte, jeder Hersteller hatte solche Modelle in seinem Sortiment. Diese ausgesuchten Marken und Modelle wecken noch heute Begehrlichkeiten auf dem Gebrauchtmarkt und erreichen oft Sammlerpreise.

Modell Baujahr Kategorie
Leica I 1925 Kleinbild-Messsucher
Leica M3 1954 Kleinbild-Messsucher
Leica MP (Original) 1956 Kleinbild-Messsucher
Rolleiflex 2.8 ab 1950er Mittelformat TLR
Hasselblad 500C/M 1957 Mittelformat SLR
Nikon F 1959 Kleinbild-SLR
Nikon F2/F3 1971/1980 Kleinbild-SLR
Canon F-1 1971 Kleinbild-SLR
Polaroid SX-70 1972 Sofortbild SLR
Contax T2 1990 Kompaktkamera
Contax G2 1996 Kleinbild-Messsucher AF

Die Preisentwicklung einer Leica M6 auf dem Gebrauchtmarkt

Eine dieser herausragenden Kameras ist die Leica M6, deren Preise sich in den letzten 20 Jahren mehr als vervierfacht haben. Zu ergänzen ist, dass vor 10 Jahren die allermeisten Leica M6 Kameras, die uns zum Ankauf angeboten wurden, technisch in einem einwandfreien Zustand waren. Nur etwa 10% der angebotenen Kameras zeigten Auffälligkeiten und Defekte, meist eine altersbedingt verharzte Mechanik beim Verschluss. Heute ist dieses Verhältnis genau umgekehrt: Wir erhalten kaum eine einwandfrei funktionierende Kamera, die Alterserscheinungen machen sich inzwischen bemerkbar. Die heute bei fotohandel.de verkauften Leica M6 werden deshalb technisch repariert, was einen Teil der Preissteigerung ausmacht.

In Zukunft wird es immer schwieriger werden, mit diesen Defekten umzugehen. Spezialisierte Fachwerkstätten mit jahrzehntelanger Erfahrung "sterben" sprichwörtlich weg, Ersatzteile sind rar. Die Reparatur einer klassischen Leica M6 beim Leica Customer Care Werkskundendienst in Wetzlar dauert aktuell bis zu einem Jahr. Und so verwundert es nicht, dass klassische Kameras wie die Leica M6 zwar im Trend liegen, aber immer in der Nische bleiben werden, allein den funktionierenden geringen Stückzahlen am Markt geschuldet.

Fazit

Aufwand und Kosten für Reparaturen analoger klassischer Kameras sind hoch, die Reparaturbetriebe selten. Und so werden auch in Zukunft die allermeisten Kameras, die nach Jahrzehnten wieder aus der Versenkung auftauchen, nicht nutzbar sein aufgrund ihrer Defekte. Reparaturen sind für die größte Zahl dieser Kameras schlicht und einfach nicht wirtschaftlich, da oft bereits der übliche Stundensatz eines Feinmechanikers den Zeitwert mancher Kamera überschreitet. Und so geht der größte Teil der "gehobenen Schätze" heute eher in den Restmüll als in eine weitere Verwendung.

Der Grund, warum wir uns bei www.fotohandel.de uns auf hochwertige Kameraklassiker wie Leica und Hasselblad konzentrieren, ist unsere Möglichkeit, erforderliche Kamerareparaturen in der Werkstatt selbst durchführen zu können. Und so konzentrieren wir unsere Zeit und Kapazitäten auf die erhaltenswerten Stücke, die durch ihren Marktwert, Gebrauchswert, Sammlerwert und/oder Seltenheitswert den Aufwand und die Kosten einer Werkstattüberholung lohnenswert machen. 

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