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Leica M10-R mit Leica Noctilux 50mm 1.0 mit Leica Visoflex 2

Fokussierung von Leica M mit Messucher im Vergleich zu LiveView

Scharfe Bildergebnisse mit einer Messsucherkamera setzen einen exakt eingestellten Messsucher voraus. Eines meiner "frustrierenden Dauererlebnisse" mit Leica M ist der Vergleich der erreichbaren Schärfe und des Detailreichtums bei Scharfeinstellung über die LiveView-Funktion der Kamera (über das Display oder den ELV Elektronischen Sucheraufsatz) im Vergleich zur Fokussierung mithilfe des Messfeldes im Sucherbild. Grundsätzlich finde ich hier eine Abweichung, aufgrund der Tiefenschärfe auffallend nur mit Offenblende bei den lichtstarken (älteren) Leica Summilux und Noctilux Objektiven. Eine Abweichung, die zwar geringfügig sein mag, aber eben sichtbare Auswirkungen im Bildergebnis nach sich zieht.

Was sind die Ursachen?

Grundsätzlich ist die Messsuchertechnik eine viele Jahrzehnte alte, eigentlich veraltete Technik. Über eine Mechanik wird die Fokussierung am Objektiv zum Messsucher der Kamera übertragen. Wahrscheinlich hätte Leica diese Technik längst verändert, wenn es nicht die Kompatibilität des Leica-M-Systems über Kameragenerationen zunichte machen würde.

Ist eventuell der Messsucher dejustiert?

Grundsätzlich lässt sich der Messsucher überprüfen, indem in der Unendlich-Einstellung der Fokusring des Objektives im Anschlag liegt und das eingespiegelte Bild sich mit einem weit entfernten Objekt deckt. Manche nutzen eine Kirchturmspitze in einiger Entfernung, andere fokussieren den Mond und bringen das Messfeld in Deckung.


Bild links: Dejustierter Messsucher einer Leica M bei Unendlichkeitseinstellung


Leica M Messsucher justieren

Es gibt im Internet einige Anleitungen, wie man eine etwaige Fehlstellung des Messsuchers einer Leica M behebt. Man kann einen Frontfocus oder Backfocus (also eine horizontale Abweichung des Messfeldes bei Unendlich) mithilfe eines 2mm Inbus-Schlüssels ausgleichen, um das entfernte Objekt im Messfeld deckungsgleich zu bringen.

Die Frage ist, ob man diese präzise mechanische Feineinstellung nicht besser einer erfahrenen Werkstatt überlässt, ist diese Justage doch eine essentielle Voraussetzung für die Scharfeinstellung. Das wahrscheinliche beste Ergebnis bringt der Leica Werkskundendienst Leica Customer Care, um Kamera und Objektive jeweils optimal aufeinander abzustimmen.

Dies gilt für die lichtstarken Leica Summilux und Noctilux-Reihen, insbesondere aber auch für gebraucht gekaufte Objektive, die aus der Zeit des "Films" stammen, dessen Material größere Toleranzen erlaubt als die Genauigkeit des digitalen Sensors.

Tatsächlich muss man aber davon ausgehen, dass eine Feinjustierung dieser Messsuchermechanik niemals wirklich exakt sein kann, wie auch LiveView mit dem Fokus-Peaking nur einen ungefähren Schärfeeindruck bzw. Schärfebereich vermitteln kann. Nutzt man Fokus-Peaking mit einem Summilux oder Noctilux bei offener Blende, so ist der Schärfentiefenbereich derart gering, dass das Fokus-Peaking eine hervorragende Einstell- und Kontrollmöglichkeit bietet, während abgeblendet und bei Weitwinkelobjektiven mit zunehmendem Schärfentiefenbereich der "absolute Schärfepunkt" an Deutlichkeit verliert.

Leica M10-P mit Leica Summilux 35mm 1.4 ASPH. - Schärfekontrolle bei Offenblende
Manche Fotografen bleiben unzufrieden mit der Justage des Messuchers ihrer Leica M auf der Suche nach dem Optimum. Letztlich bleibt der Messsucher eben ein Kompromiss. Mir persönlich half ein Text aus der Bedienungseinleitung einer Leica M10:

Leica M-Objektive sind mit einer Steuerkurve ausgestattet, die die am Objektiv eingestellte Entfernung mechanisch an die Kamera überträgt und so das manuelle Fokussieren mit dem Messsucher der Leica M-Kameras ermöglicht. Bei der Verwendung des Messsuchers zusammen mit lichtstarken Objektiven (≥ 1,4) sind folgende Gegebenheiten zu beachten:

  • Die Fokussiermechanik jeder Kamera und jedes Objektivs wird im Werk der Leica Camera AG in Wetzlar individuell mit der größtmöglichen Präzision justiert. Hierbei werden extrem enge Toleranzen eingehalten, die in der fotografischen Praxis eine präzise Fokussierung jeder Kamera-Objektiv-Kombination ermöglichen.
  • Werden lichtstarke Objektive wie Leica Summilux und/oder Leica Noctilux bei jeweils offener Blende eingesetzt, kann es dennoch aufgrund der dann teilweise äußerst geringen Schärfentiefe und Ungenauigkeiten bei der Fokussierung mit dem Messsucher dazu kommen, dass die (addierte) Gesamttoleranz von Kamera und Objektiv Einstellfehler ergibt. Daher ist bei kritischer Betrachtung in solchen Fällen nicht auszuschließen, dass eine bestimmte Kamera-Objektiv-Kombination systematische Abweichungen zeigt.
  • Sollte in der fotografischen Praxis eine generelle Abweichung der Fokuslage in eine bestimmte Richtung zu beobachten sein, ist eine Überprüfung des Objektivs sowie der Kamera durch den Leica Customer Care zu empfehlen. Hier kann noch einmal sichergestellt werden, dass beide Produkte innerhalb der zulässigen Gesamttoleranz justiert sind. Bitte haben Sie jedoch Verständnis, dass eine 100%ige Abstimmung der Fokuslage nicht für sämtliche Paarungen von Kameras und Objektiven realisiert werden kann.

Problematik Focus Shift

Fokusverschiebung (Focus Shift) bedeutet, dass der optimale Schärfepunkt (Fokus) - also die maximal erreichbare Schärfe auf eine bestimmte Entfernung - nicht für alle Blendenstufen eines Objektivs gleich ist - dieser verschiebt sich vorwärts oder rückwärts, wenn der Blendenwert verändert wird. Wenn Sie direkt durch das Objektiv fokussieren, wie es mit einer Spiegelreflexkamera oder mit LiveView erfolgt, sind Fokuspunkt und die Schärfe, die im Sucherbild oder auf dem Display dargestellt werden, identisch mit dem Fokus und der Schärfe des Objektivs, und damit auf dem Bild. Verschiebt sich der Fokuspunkt im Sucherbild, wenn Sie den Blendenwert nachträglich ändern und müssen die Schärfe nachstellen, so ist dies der Focus Shift.

Mechanische Entfernungsmesser wie der Messsucher bei Leica M funktionieren anders. Sie schauen dabei nicht durch das Objektiv, um zu sehen, an welchem Punkt die Scharfeinstellung optimal erreicht  ist, sondern blicken durch einen Entfernungsmesser (Messsucher), der mit der Entfernungseinstellung des Objektives mechanisch gekoppelt ist, aber nicht die "Sichtweise" des Objektives bietet. Was der Messsucher anzeigt, sollte mit der Ansicht Ihres Objektives identisch sein - und kann identisch sein. Die Genauigkeit des Messsuchers hängt jedoch davon ab, wie dessen Mechanismus justiert ist. Bei neuen Objektiven von Leica sollte der genaue Fokus, den Sie im Sucher sehen, der Fokus der maximalen Blende sein. Bei älteren Objektiven kann der Wert um bis zu zwei Blendenwerte abweichen. Manche ältere Objektive zeigen bei maximal geöffneter Blende (erste Version des Leica 35 mm Summilux, Leica Noctilux 1:1) eine offensichtliche Fokusverschiebung. Diese Effekt ist in manchen Aufnahmesituationen wie der Portraitfotografie mit Offenblende durchaus ein Problem. Geringe "Bedienungsfehler" bei der Fokussierung und die Bewegungsunschärfe beim Auslösen der Kamera kommen hinzu und hinterlassen einen nicht optimalen Schärfeeindruck.

Stichworte

Fokus-Peaking beschreibt einen Echtzeit-Fokusmodus, der die Live-Ansicht-Fokushilfe (LiveView) der Kamera verwendet, um Bereiche mit hohem Kontrast durch eine Falschfarben-Überlagerung zu markieren. So erkennt man, welcher Teil des Bildes im Fokus (innerhalb des SchärfeBEREICHes der Tiefenschärfe) ist, bevor der Fotograf das Foto aufnimmt.

Die Schärfentiefe (häufig auch Tiefenschärfe genannt) ist ein Maß für die Ausdehnung des scharfen Bereichs im Objektraum eines abbildenden optischen Systems. Der Begriff spielt in der Fotografie eine zentrale Rolle und beschreibt die Größe des Entfernungsbereichs, innerhalb dessen ein Objekt hinlänglich scharf abgebildet wird. In der Regel wird eine große Schärfentiefe durch kleine Blendenöffnungen oder Objektive mit kurzen Brennweiten erreicht: Von vorn bis hinten sieht dann alles mehr oder weniger scharf aus. Das Gegenteil ist der sogenannte „Film-Look“, bei dem der Bereich der Schärfentiefe klein ist (englisch: shallow): Die Kamera zeichnet die zentrale Figur scharf, eventuell nur das Auge einer Person, während alles vor und hinter ihr unscharf erscheint. Tief bedeutet bei Schärfentiefe die Tiefe des Raums, also die Richtung weg von der Optik. -- aus Wikipedia --